Außen

Der Neubau des Kleinen Michels (1953−1955) ist weit über Hamburg hinaus ganz ungewöhnlich, denn er wurde zur Hälfte aus Frankreich finanziert. Der französische Hohe Kommissar François Poncet wollte damit auf die alten Beziehungen zwischen Frankreich und Hamburg hinweisen. Zugleich passte dieses Zeichen in die damalige französische Außenpolitik, die mit einem starken kulturellen Engagement deutlich »Flagge zeigen« wollte, um der Dominanz des Vereinigten Königreichs und der USA in der Nachkriegsordnung zu begegnen.

So wurde ein renommierter französischer Architekt, Jean-Charles Moreux, mit den Entwürfen beauftragt. Gerhard Kamps, der Hausarchitekt der Katholischen Kirche in Hamburg, übernahm die örtliche Bauleitung.

Dabei war der Grundriss durch die alten Fundamente vorgegeben, und auch sonst gibt es gerade im Außenbau viele Rückgriffe auf den Vorgänger, etwa mit dem Material Backstein, mit den beiden Seitenportalen und der Gliederung durch Lisenen. Ohne den Sandsteinportikus käme man nicht auf einen französischen Architekten. Die lateinische Inschrift »SERVATE UNITATEM SPIRITUS IN VINCULO PACIS« (Bewahrt die Einheit des Geistes im Band des Friedens – entlehnt aus Epheser 4,3) macht deutlich, dass mit dem Wiederaufbau auch ein Zeichen der Völkerverständigung gesetzt wurde.

1954